“Nuestros” actores PDF Imprimir Correo


Brevemente quisiera contar algo sobre algunos jóvenes de Tres Soles, que ahora son actores profesionales:


Lucas Achirico hizo su formación actoral en el Teatro de los Andes y durante años fue miembro del grupo, estando de gira internacional constantemente. Quizás pueden acordarse de que lo presentamos durante nuestras lecturas, aparece en ambos libros sobre Tres Soles. Lucas ahora se muda con su familia a Europa, a Polonia, pues su mujer es polaca. A continuación encuentran un artículo sobre él que publicó un diario boliviano.

https://www.paginasiete.bo/letrasiete/2018/9/9/lucas-achirico-no-dejo-mas-bien-me-llevo-mucho-de-teatro-de-los-andes-193050.html

 
Además, los dos ex solesianos y actores Freddy Chipana y Juan José Canazas participaron de un cortometraje sobre la batalla de Suipacha que ocurrió durante la guerra independista contra los españoles. El video ha sido financiado por la Fundación Cultural del Banco Central de Bolivia y está hecho muy profesionalmente. Freddy interpreta el rol de un líder indígena, Juan José un campesino que vende al comandante español intencionalmente información falsa. Se lo puede ver en youtube (“La batalla de Suipacha”).

Stefan Gurtner, marzo 2019


Im Jahr 2004 mieteten Lucas Achirico und seine Lebensgefährtin, die Polin Danuta Zarzyka (Danka), ein kleines Haus in Yotala an - von der Hazienda Lourdes, wo das Teatro de los Andes beheimatet ist,  nur durch den Fluss, dem  Cachimayude, getrennt, der mitten durch das Dorf fließt. Der junge Mann, der damit einen weiteren Schritt auf seinem persönlichen Lebensweg machte, hatte sich schon Ende 1991, mit 17 Jahren, der von César Brie und Paolo Nalli geleiteten Theatergruppe angeschlossen.
Er erinnert sich, dass es ihm gefiel, an einem so friedlichen Ort wie Yotala leben zu können.
Eine Woche nach ihrem Umzug dorthin erlebten sie allerdings eine unangenehme Überraschung: Auf dem Dach ihres Hauses erblickten sie ein zitterndes Kind, das immerzu schrie: „Meine Mutter will mich umbringen." Lucas und Danka halfen dem Kind vom Dach herunter und brachten es in ein Kinderheim. Die Leiterin hingegen reagierte unbeeindruckt mit den Worten: „Gegen diese Mutter liegen bereits mehrere Beschwerden vor, und immer wegen häuslicher Gewalt“.
Lucas und Danka, die bereits eine einjährige Tochter hatten, beschlossen, die Mutter aufzusuchen. „So erfuhren wir, dass sie tagsüber in Sucre arbeitete und nachts ihren (Wach-)Dienst in der Universität von Yotala tat. Frühmorgens schon kochte sie für ihre vier Kinder, darunter eine Tochter, die krank war und das Haus nicht verlassen konnte, und für einen betagten Vater, der sich kaum bewegen konnte. Lucas erinnert sich an die dunklen Ringe unter den rotgeränderten Augen der Mutter, die, so das Gerücht der Nachbarn, selbst ein Opfer von Inzest war.
Sensibilisiert durch ihre Arbeit und Erfahrung in der Theatergruppe betrachteten Lucas und seine Lebensgefährtin, ebenfalls Künstlerin, das idyllische Dörfchen von nun an mit anderen Augen. „So haben wir bemerkt, wie in der Nacht alle möglichen Figuren aus den Häusern hervorkamen: Kleinwüchsige, Behinderte, Menschen mit Down-Syndrom...“ Dass all das, einschließlich des Vorfalls mit dem Kind, offensichtlich zur Normalität zählte, veranlasste die beiden, nach einer Ausdrucksform zu suchen, die deutlich macht, dass Gewalt niemals normal sein kann.
Lucas und Danka beschlossen, ihrer Theatergruppe ein Theaterstück über häusliche Gewalt vorzuschlagen. César war begeistert, und so begann ein Prozess umfassender Recherche, es wurde dokumentiert, Szenen ausprobiert und dem neuen Stück Leben eingehaucht: „Te duele?“ – „Tut es dir weh?“
Heute, am 25. August 2018, bereit für den Umzug, um mit seiner Partnerin Danka und seinen Töchtern Naomi und Mischa in Polen zu leben, die bereits voraus gereist sind, blickt Lucas noch einmal zurück. Und er bekräftigt, dass er dieses Stück, -das Bühnenbild zeigte einen Boxring-, als seinen wichtigsten Beitrag erachtet „Und weisst du, jedes Theaterstück, an dem ich mitgearbeitet habe, ist wie ein Kind für mich. Jedes unserer Stücke basiert auf eindrucksvollen Geschichten.“  (Von „Colón“/„ Kolumbus“ bis „Un buen morir“/„ein guter Tod“, für das er die Musik komponiert hat!)
„Mag sein, dass ich in einem der Theaterstücke vielleicht mehr gelernt habe, in einem anderen wiederum gelang es mir Neues für mich zu entdecken, aber wo ich am meisten gesucht und gerungen habe, das war das Stück über häusliche Gewalt. Gewalt in der Familie habe ich nach der Trennung meiner Eltern als Jugendlicher selbst erlebt, als ich einen Stiefvater bekam.

229777

Achirico mit seiner Ehefrau in einer Szene des Stücks ¿Te duele?

Lucas wurde im Minendistrikt Chojlla geboren. Seine Mutter wanderte Ende der 80-er Jahre, bereits ohne ihren Mann, mit den beiden Söhnen nach La Paz aus. Die Familie ließ sich in El Alto nieder und dort begann der kleine Lucas von Musik zu träumen, inspiriert durch die Folkloregruppe, die sein älterer Bruder gegründet hatte.
Der Jugendliche besuchte das Hilfszentrum für mittellose Kinder und Waisen einer evangelischen Kirche. „Und ich fing an, mich mit Musik zu beschäftigen, aber ich musste bald feststellen, dass es durch die Kirche viele Beschränkungen gab – auch in der Musik.
Durch einen Freund, der Mitglied einer ‚Gruppe von Angehörigen politischer Gefangener, die verschwunden oder ermordet worden waren‘, bekam ich erstmals die Gelegenheit in der Öffentlichkeit aufzutreten.“ Lucas, 14-jährig, und einige Gleichaltrige: „Wir hatten fünf Stücke vorbereitet und spielten sie in einer dieser Versammlungen; man bat uns  um Zugaben, aber wir mussten ihnen erklären, dass das alles war, was wir vorbereitet hatten. Die Leiterin des Vereins ermutigte uns jedoch: Spielt einfach alles nochmal! Und sie gab uns den Rat, an der einen oder anderen Musikwerkstatt wie zum Beispiel in El Alto teilzunehmen.“
Nach langem Suchen in der Zone „16 de Julio“ fanden die Jungen endlich besagten Ort, der sich als Heim für verlassene Kinder (HAPMA)/ „Hogar Albergue Para Menores Abandonados“ – heute Tres Soles - herausstellte und von dem Schweizer Stefan Gurtner geleitet wurde.
„Da habe ich mit Jugendlichen Kontakt bekommen, die einerseits Erfahrungen als Straßenkinder und andererseits Umgangsformen hatten, die mir völlig fremd waren. Ich war sehr zurückhaltend, aber sie haben mich akzeptiert mich wegen meiner Musik und weil ich sehr gut Fußball spielen konnte.“
Am Ende dieses Jahres ergab sich die Gelegenheit herumzureisen und aufzutreten. Musiker und Akteure der HAPMA/Tres Soles, insgesamt etwa 30 Jugendliche, fuhren von Hauptstadt zu Hauptstadt der einzelnen Departamente. „So lernte ich das Land kennen und auch was es heißt, einer Gruppe anzugehören.“ Lucas spielte auf dem Charango (ein Seiteninstrument mit Gürteltier-Resonanzkörper) sowie auf einigen Blasinstrumenten, welche er zusammen mit drei Mitschülern erlernt hatte. Mit ihnen gründete er eine Musikgruppe, wobei sie die Abmachung trafen, niemals Alkohol zu trinken. „Das hat mich geprägt!“
Was ihn ebenfalls geprägt hat, aber auf schreckliche Weise, war sein Stiefvater, mit dem er sich überhaupt nicht verstand. „Mit 15 habe ich angefangen, mich zu wehren und mir war klar, dass das nicht gut ausgehen würde. Aber ich hatte einen Trumpf im Ärmel: Das Heim von Stefan, wo ich Unterschlupf suchte, als ich 16 Jahre alt war. Es ereignete sich auf einer Reise nach Sucre, die wir unternahmen, um im Teatro „3 de Febrero“ aufzutreten, als mich César Brie und Naira Gonzales zum ersten Mal sahen“; (das sind die beiden, die zusammen mit Nalli das Teatro de los Andes gegründet haben. )
 
Ende 1991 kamen dann die beiden auf ihn zu und fragten ihn, ob er Interesse an einem Theaterkurs habe. „Ich wollte damals weg aus La Paz. Das Schuljahr hatte ich nicht geschafft, woraufhin ich mein Zeugnis zerrissen habe“. So nahm er das Angebot an, in der Annahme, dass es sich bei dem Kurs um Weiterbildung für Musik handelte.
Im März 1992 wurde er als Schüler Teil des Teatro de Los Andes. Der Workshop fand im Theater „Gran Mariscal“ mit etwa 20 Personen statt. „Mein erster Eindruck war: Wo bin ich hier nur gelandet?! Anfangs hat mich irritiert, dass alle einen Bart trugen und ich habe sie immer alle verwechselt: César, Paolo Filippo, Emilio – alle schienen sie mir gleich auszusehen.“
Und so kam es, dass „ich das Theater entdeckt habe“. Alles, was man dort machte, „gefiel mir, denn auch wenn wir keinen Musikunterricht hatten, haben wir doch alle auf Musikinstrumenten gespielt, wir haben gesungen und zudem noch Akrobatik gelernt.“
Dennoch wurde der Aymara Lucas von Heimweh geplagt. „Ich habe versucht, mich aufzumuntern, indem ich mir die Leute vor Augen hielt, die von viel weiter weg hergekommen waren. Trotzdem war ich traurig, weil mir die Umgebung fremd war. Zum Glück gab es Gonzalo Callejas, auch ein bolivianischer Jugendlicher, ein Quechua, der ebenfalls an diesem Kurs teilnahm, weil er dachte, es handle sich um eine Weiterbildung als Schreiner! Und siehe da „wir wurden sehr gute Freunde“.
Ein Schüler der Lebensschule
Lucas hatte den festen Vorsatz, wieder in die Schule zu gehen. Und so besuchte er tatsächlich für ein halbes Jahr das anerkannte „Colegio Junín“ im Tradition geprägten „Monteagudo“ von Sucre.
Dann wechselte er allerdings in das Colegio Santa Rosa in Yotala. Die Direktorin war eine argentinische Ordensfrau, die Lucas nahelegte, sich anzustrengen.
Einen Monat später war es Zeit für die erste landesweite Tournee. Um die Erlaubnis zu erhalten, half César ihm, einen Ordner mit Presseberichten über die Theatergruppe zusammenzustellen. „Wir gingen zusammen hin und betraten das Büro der Direktorin. César informierte sie über die Tournee und überreichte ihr die Mappe mit den Zeitungsartikeln. Die Direktorin warf nicht einen Blick darauf, sondern schleuderte sie zu Boden. Es entwickelte sich eine derart laute Diskussion, dass ich jetzt noch die Gesichter meiner Schulkameraden vor mir sehe, die vom zweiten Stock her völlig verängstigt nach unten schauten. Wir verließen das Zimmer und damit war meine schulische Laufbahn beendet.“
Lucas spricht Italienisch und ein wenig Englisch. Sein Wortschatz im Spanischen ist beachtlich, was auch von seinem Aymara anzunehmen ist. Er kennt mehr von der Welt als der bolivianische Durchschnittsbürger, ist er doch als Teil des Teatro de los Andes weit herumgekommen. „Aber noch viel mehr habe ich von den Personen gelernt, auf die ich hier, im Teatro de los Andes, getroffen bin, durch den Austausch von Informationen, durch Gespräche- so wie heute beim Mittagessen über jugendliche Schwangere- durch jedes Theaterstück, jedes Thema, jede Auseinandersetzung, jeden Film, den wir gesehen haben. Jedes Theaterstück bedurfte umfassender Recherche und Dokumentation als wäre es eine Abschlussarbeit für die Uni.“

229778

Achirico mit Gonzalo Callejas in einer Szene aus “La Odisea“

Und wie steht’s mit der Musik?
„Zunächst habe ich mich mit dem Noten lesen befasst und danach habe ich daran gearbeitet, mein Gitarren-, Violinen- und Cellospiel zu verbessern. Aber da wir eine Theatergruppe sind, haben wir natürlich auch viel mit dem Körperausdruck und akrobatischen Bewegungen experimentiert.
So gesehen bin ich schon ein Musiker, aber ich hatte das Gefühl, dass ich immer noch nicht alles perfekt beherrschte, obwohl ich sagen muss, dass ich schon noch einiges dazu gelernt habe, eben wie man die Musik angehen muss, um Ideen und Gedanken musikalisch umsetzen zu können.“
Ein jüngstes Beispiel ist die Arbeit von Lucas in dem Stück „Un buen morir“/“Ein guter Tod“, konzipiert von Gonzalo Callejas* und Alice Guimaraes, in dem die Musik zu einem zusätzlichen Protagonisten mutiert.
Da es die erste Gruppenarbeit war, an der ich nicht beteiligt war, konnte ich meine musikalische Arbeit weit objektiver gestalten.
In den Vorschlägen, die meine Kollegen machten, bzw. in deren Ideen erkannte ich vieles wieder, was wir in verschiedenen Workshops erarbeitet hatten.
Es waren Impulse, die mir zeigten, welche Richtung ich musikalisch einschlagen musste, und so habe ich alle Stücke selbst komponiert bis auf eines; das war bereits bekannt von einem unserer anderen Theaterstücke, die wir erarbeitet hatten.“
Diese Musik auf dem Computer zu komponieren, stellte eine große Herausforderung an Lucas’ Fähigkeiten dar. Es ist ein weiteres Universum, das er erforschen will und das Teil seines Gepäcks ist, das er nach Polen mitnimmt, und das er nach und nach auspacken wird, während er die polnische Sprache erlernt.
"Ich werde mein Leben hier sehr vermissen, aber die Entscheidung ist gefallen. Es ist Naomi, meine 15-jährige Tochter, die mich dazu gebracht hat, das zu akzeptieren, worum mich meine Partnerin Danka schon lange gebeten hatte. Da Naomi singt, sah ihre Patin, Teresa Dal Pero, ein ehemaliges Mitglied des Teatro de los Andes für sie als Sängerin keine Möglichkeit mehr, sich in Bolivien weiter zu entwickeln.“
In Polen dagegen wurde sie problemlos in einem Institut aufgenommen, wo sie die Schule beenden und Musik erlernen kann, und zwar viel leichter als hier in Bolivien.
Lucas ist überzeugt, dass die Distanz, die im November nächsten Jahres Realität werden wird, rein geografischer Natur ist. "Es ist keine Trennung vom Teatro de los Andes; ich werde sehen, ob ich Projekte auf den Weg bringen kann, um von dort aus (von Polen) weiterhin meinen Beitrag leisten zu können. Nach 27 Jahren in der Gruppe ist es nicht einfach, zu gehen.“ Deshalb ist Lucas Achirico überzeugt: "Ich verlasse das Teatro de los Andes nicht, im Gegenteil ich nehme viel von ihm mit".
* Gonzalo Callejas ist der bolivianische Jugendliche, mit dem sich Lucas als Jugendlicher im Teatro de Los Andes angefreundet hatte.

 

 


Cookies

Para poder diseñar nuestro sitio web de manera óptima para usted, utilizamos cookies. Al continuar utilizando el sitio web, acepta el uso de cookies.